Im Rahmen des MIZ Radio Innovation Day 2017 bekamen wir die Möglichkeit einen Vortrag zum Thema "Skip-bares Radio" zu halten. Der Inhalt dieses Vortrags ist hier noch einmal zum Nachlesen veröffentlicht.

personalisiertes skip-bares Radio ist im Internet bald Alltäglich!

Jeder kennt die Skip-Funktion. Jeder nutzt sie regelmäßig beim Musik hören. Auto, CD, Smartphone .. es ist eine Alltagsfunktion und nichts Besonderes. Und genau so muss Skip sich auch beim Internet-Radio anfühlen. Unspektakulär und alltäglich!

Aber .. 
So unspektakulär die Skip-Funktion aussieht, umso spektakulärer oder interessanter sind die Dinge, welche die Skip-Technologie mit sich bringt. Wir haben acht wichtige Erkenntnisse zusammengetragen.

 
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Erkenntnis 1: Wir können nicht in die Zukunft springen, wollen aber den Anschein erwecken.

Wenn ich also auf den Skip-Button drücke, dann muss bereits etwas verfügbar sein, was ich dem Hörer in diesem Augenblick anbiete. Dieser nächste Inhalt muss also für jeden Augenblick geklärt und verfügbar sein und es sollte den Erwartungen des Hörers wenn möglich entsprechen. Sobald dieser nächste Inhalt lückenlos durch eine Ansammlung an Regeln eindeutig und für jeden Augenblick geklärt ist, dann können wir skippen, auch einen Simulcast. Theoretisch kann man immer ‚wegskippen’, auch aus einer Livemoderationen. Skippen kann immer und überall beim Radio alltäglich sein.

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Erkenntnis 2: Alle Hörer bekommen das Gleiche bei Skipping. Aber mit nur wenigen Modifikationen am System kann jeder Hörer auch ein eigenes Programm bekommen.

Durch Skippen entsteht ein individueller Versatz. Diese Tatsache verändert in der Praxis bei einem Radiosender so ziemlich Alles. 

Zum Beispiel: Stundenuhren können Skip nicht abbilden. Man muss sich vorstellen, dass sich jeder Hörer an einer anderen Stelle der Stundenuhr befindet. Das erfordert ein völlig neues Denken bei der Programmplanung. 

Ein Nachrichtenblock genau zur vollen Stunde für alle Hörer ... das muss man hier nicht so machen. Man könnte auch Nachrichten nur dann senden, wenn es etwas Neues gibt. Oder man lässt den Hörer selbst bestimmen, welchen Newsbedarf er inhaltlich und zeitlich hat. Hier kann man als Programmplaner durchaus kreativ sein.

Dazu kommt... Man braucht den unbedingten Willen sich auf die Interaktion mit dem Hörer einlassen zu wollen. Diese erweiterte Programmplanung ist vielleicht die größte Herausforderung auf dem Weg zum skip-baren Radio. Wir haben leider die Erfahrung gemacht, dass Radiomacher immer wieder dazu neigen, im Internet alles genauso machen zu wollen, wie beim klassischen Broadcast. Das ist durchaus verständlich, aber es erschließt keine neuen Zielgruppen fürs Internet-Radio. Häufig ist das Alte gar kontraproduktiv, weil es die Kosten nach oben treibt und die Ausrichtung auf Neues verhindert. 

Skip-bares personalisiertes Radio muss also im ersten Schritt so einfach wie möglich sein. Wenn der erste Schritt erfolgreich war und große Reichweiten damit erzielt werden, dann kann im zweiten Schritt skip-bares personalisiertes Radio deutlich komplexer werden.

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Erkenntnis 3: Skippable personalized Radio geht ohne Vollautomatisierung nicht. 

Mit Vollautomatisierung meinen wir nicht nur die automatisierte Programmerstellung und das Playout, sondern auch den individuellen Auf -und Abbau der Sendestrecken für jeden einzelnen Hörer. Das geht weit über das hinaus, was Rundfunkanbieter und deren IT bisher kennen.

Im Prinzip wird für jeden Hörer in Echtzeit ein eigenes Programm, eine eigene Sendestrecke erstellt. Der Radiomacher programmiert die Regeln. Ohne ein neues Level an Automatisierung ist Skipping und Perosnalisierung nicht umsetzbar.

Wir wissen, dass Liebhaber unter den klassische Radiomachern nichts für maschinell erstellte Playlisten übrig haben. Aus unserer Perspektive betrachtet, entsteht hier eine andere, eine neue Form von Kreativität bei der Programmplanung, weil sich die Werkzeuge ändern.

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Erkenntnis 4: Mit dieser neuen Radiotechnik entstehen sehr viel mehr Daten.

Waren es bisher beim klassischen Live-Streaming ca. zwei Datensätze pro Session, so sind es jetzt durchschnittlich 200 Datensätze pro Session - Tendenz stark ansteigend.

Es wird einige Kollegen geben, wo man seit Jahren auf diesen Augenblick gewartet hat. Der Hörer wird weniger anonym sein, wenn er Skipping und Personalisierung nutzen will. Im Grunde kann man die gleichen Daten auswerten, welche Youtube, Spotify und alle anderen digitalen Musikdienste für ihre Vermarktung nutzen. Der Skipping-Hörer ist genau so transparent, wie es ein Youtube-Nutzer für Google ist. Mit Big-Data stehen diese Informationen auch in Echtzeit bereit.

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Erkenntnis 5: Die inhaltliche Vielfalt ist nicht mehr grundsätzlich beschränkt, aber das kann schon mal zur Herausforderung werden.

Hörer, die die Skip-Funktion nutzen, haben eine gewisse Erwartungshaltung an das nächste Element. Wenn es nicht den Erwartungen entspricht, dann wird wild weiter geskippt - bis etwas kommt, was ok ist.

Es wird also mehr Inhalt als bisher benötigt. 

Wir haben aber die Erfahrung gemacht, dass nicht selten Radiosender keine großen digitalen Audio-Bibliotheken im ständigen Zugriff haben. Da kann der Ruf nach mehr Inhalt schon mal zur großen Herausforderung werden. Das Problem sollte man unbedingt auf dem Schirm behalten und sich eine Lösung überlegen, wenn man Skipping anbieten will. Es hat sonst das Potential zu einem Showstopper werden zu können.

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Erkenntnis 6: Skippable personalized Radiotechnik wird die Zusammenarbeit zwischen Radiosendern und Podcastern neu befruchten.

Für personalisierte Programme benötigen Radioprogramme viel mehr digitalen und auch hochwertigen Content. Zusätzlich muss dieser digitale Content automatisiert nutzbar sein.

Audio ... digital, hochwertig und automatisiert zugänglich. Podcasts passen perfekt auf dieses Anforderungsprofil. 

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Erkenntnis 7: Die technischen Betriebskosten passen sich der vermarktbaren Reichweite an.

Wie zu Beginn betont, entwicklen wir keine Produkte, die nicht bezahlbar sind. Es muss sich ein Businessmodel für Radiosender rechnen lassen. Die technischen Betriebskosten sind dabei ein wesentlicher Faktor.

Mit der neuen Technik besteht die Option für Radiochefs die pauschale Abrechnung zu verlassen und abhängig von der gezählten Reichweite die Kosten berechnen zu lassen. Es kann ein Wettbewerbsvorteil sein, bei einer Reichweitenflaute auch geringere Kosten zu haben.

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Erkenntnis 8: Kosten und Erlöse sind pro Hörer jederzeit transparent. 

Das Besondere daran ist, dass sich daraus völlig neuartige Steuermöglichkeiten für Radiobetreiber ergeben.

Ein Beispiel: Wenn für jede Hörersession zu jeden Zeitpunkt Kosten & Erlöse aus Werbung bekannt sind, dann wissen wir auch ob dieser Hörer uns eher Kosten verursacht oder Gewinn bringt. Da wir nun Werbung dynamisch individuell pro Hörerstream einbinden können, ist es auch möglich die Werbung immer dann zu starten, wenn der Hörer zu viel Kosten verursacht.

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Nehmen wir zu Personalisierung und Skipping noch Programmatic-Advertising und Big-Data dazu, dann sehe ich plötzlich optimistisch in die Zukunft des Internet-Radios.

Klar ist, personalisiertes skip-bares Radio verlangt von den Sendern neue Arbeitsabläufe und ein neues Denken. Das wird nicht einfach. Und aus der technischen Perspektive entsteht ein Bedarf für eine neue Generation an Sendesystemen, welche jeden einzelnen Hörer und den Radiomacher kennen, und natürlich personalisiert skippen können.

Vielen Dank für Ihrer Aufmerksamkeit.

Thomas Mosch, Leipzig, 08.10.2017

Auch ein Youtube-Video ist hier verfügbar: https://www.youtube.com/watch?v=gbmO5zCEUmE&t=3688


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Thomas Mosch ist Geschäftsführer bei streamABC und Experte für Webradio Streaming Technologien. Aus viel Berufserfahrung mit Online und Multimedia wurde ab 2008 die Spezialisierung auf Audio Streaming. Er war aktiv beteiligt, als die Livestreams von 90elf mehr Reichweite als viele UKW-Sender erzielten und Adswizz und ma IP Audio in Deutschland erste Schritte machten. Seitdem begleitet er mit der Firma streamABC viele Privatradios bei der Professionalisierung ihrer Webradio-Aktivitäten. Seit 2015 treibt er aktiv die Weiterentwicklung in Richtung personalisierte Livestreams und Multi-Channel-Angebote für Radiosender voran.

'Personalized skippable Radiochannels' ist das neueste Produkt von streamABC.