Skipping im Radio-Livestream: Herausforderungen und Veränderungen

Skipping klingt einfach, ist es auch. Grundsätzlich ist "Wegskippen" immer möglich - auch bei Live-Moderationen. Doch wohin dann? Welche alternativen Inhalte biete ich meinen Hörern? Diese Festlegung ist am Ende das große Geheimnis, welches sich hinter dem Skip-Button verbirgt. Denn die Skip-Funktion selbst ist ein rein technischer Prozess. Das System benötigt dafür in Echtzeit folgende Informationen: was soll dem Hörer als Nächstes angeboten werden und wo befindet sich die zugehörige Quell-Audiodatei. Die Technik ist also bereit, welche Herausforderungen müssen nun gemeistert werden?

Good feelings - der User muss sich wohl fühlen

Skipping soll sich für die Hörer gut anfühlen und ihnen einen Vorteil bringen. Zum Beispiel durch ein verbessertes Programm mit einer deutlich vergrößerten Musikauswahl. Die Bedienung muss für die Nutzer logisch sein. Das bedeutet auch, dass die Verfügbarkeit und Nicht-Verfügbarkeit der Skip-Funktion sehr einfach nachvollziehbar ist. Kein Skipping von Werbespots - dann sag es dem Hörer. Nur eine bestimmte Anzahl an Skips pro Stunde - das muss der Hörer wissen.

Break the rules - starre Stundenuhren überwinden

Stundenuhren sind wichtig für die Sender, in ihnen sind sehr viele Abläufe zeitlich manifestiert. Doch dieses Korsett muss abgelegt werden, wenn man skippen will. Der Skip-Befehl des Hörers ist ein Ausbruch aus diesem Raster. Das starre Korsett muss einem weichen Mantel weichen, der lediglich den Rahmen des Programmes vorgibt. Eine Stundenuhr mit Skip-Funktion hat nicht genau 60 Minuten. Sie ist kürzer oder länger, Nachrichten, Verkehr und Wetter kommen nicht immer zur gleichen Zeit. Die Planung erfordert Flexibilität.

Free your mind - echte Digitalisierung beginnt im Kopf

Jeder Programmchef hat eine sehr genaue Vorstellung von seinem verantworteten Programm. Mit der Skip-Funktion gibt der Programmchef diese millisekunden-genaue Kontrolle auf. Dazu muss er bereit sein! Für Programmchefs, die um das Überleben ihres Senders kämpfen, kann und wird die Skip-Funktion keine Allheilmittel sein. Diese neue Technologie erfordert eine stabile wirtschaftliche Situation und der längerfristige Wille zur Veränderungen.

Und auch die Mitarbeiter der Sender müssen sich im Kopf von der festen, linearen Programmproduktion lösen. Die Skip-Funktion bricht Strukturen auf, verändert eingefahrene Abläufe. Eine neue Kultur in den Sendehäusern ist Voraussetzung für den Erfolg - agile, schnelle und inhaltsorientierte Entscheidungen werden wichtig. Die gewonnenen Skip-Informationen dürfen genutzt werden, um mehr über den Hörer zu erfahren.

No limits - an neue Businessmodelle glauben

Simulcast-Skip bedeutet nicht weniger als ein neues Businessmodel für private Radiosender. Es verändert Alles: die Produktion, die Mitarbeiter, die Kunden. Deswegen kann es nur Erfolg haben, wenn es massive Unterstützung aus der Geschäftsführung und von den Gesellschaftern bekommt. Ein finanzierendes Festhalten über mehrere Jahre ist Voraussetzung.

Derzeit sind die Kosten und das wirtschaftliche Risiko noch hoch, im Verhältnis zu der geringen Reichweite der Radios übers Internet. Noch! Wir sind überzeugt: Skip im Radio ist bald Standard. 

The future is now - heute schon auf die neue Technik setzen

Auch wenn Simulcats-Skipping als Geschäftsmodell noch nicht so attraktiv ist, empfiehlt es sich bereits heute erste Erfahrungen mit Skip im Radio zu sammeln. Am besten beginnt man mit den Online-Only-Subchannels. Viele deutsche terrestrische Sender besitzen bereits jetzt eine Vielzahl dieser Angebote.  

Da die Bereitstellungskosten der Skip-Funktion für Online-Only-Musikradios überschaubar sind, hält sich das wirtschaftliche Risiko in Grenzen. Die Mitarbeiter können in dieser Zeit ihre Berührungsängste mit der neuen Technologie abbauen und haben Zeit zum Umdenken. Die Produkte können sich weiter entwickeln - und mit ihnen auch die Nutzer.

Skipping im Radio-Livestream wird kommen. Starten Sie schon jetzt!

Im ersten Schritt nimmt man einen skip-baren Substream, und versucht diesen Substream so zu gestallten, dass er möglichst wie der Simulcast klingt. Wer man diese Arbeit mit etwas Hartnäckigkeit verfolgt, dann wird man überrascht sein, wie schnell man ein sehr ähnliches und gutes skip-bares Audiostreaming-Produkt erhält. Dieser Weg ist der sanfte Weg zum Simulcast-Skip. 

Leipzig, den 23.05.2017